Nicht nur die Eierstöcke stellen ihre Arbeit in den Wechseljahren allmählich um. Häufig macht zur gleichen Zeit auch die Schilddrüse schlapp. Auf den ersten Blick lässt sich oft nicht erkennen, ob eine Schilddrüsenunterfunktion oder die hormonelle Umstellung der Wechseljahre hinter den Beschwerden steckt – die Symptome beider Ursachen überschneiden sich stark.
Warum sich die Symptome so ähneln
Die Schilddrüse reguliert, ähnlich wie die Sexualhormone, eine Vielzahl von Körperfunktionen – vom Stoffwechsel bis zur Körpertemperatur. Praktisch jede Körperzelle besitzt Rezeptoren für Schilddrüsenhormone. Diese breite Wirkung erklärt, warum eine Funktionsstörung so viele unterschiedliche Beschwerden auslösen kann.
Auch die europäische Fachgesellschaft für Menopause (EMAS) weist in ihrem aktuellen Positionspapier darauf hin, dass Schilddrüsenerkrankungen bei Frauen häufig auftreten und einige Symptome – etwa Zyklusstörungen, Stimmungsschwankungen, vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen und Haarprobleme – denen der Wechseljahre stark ähneln. Eine klare Abgrenzung ist deshalb ohne ärztliche Abklärung kaum möglich.
Typische Anzeichen im Überblick
Diese Beschwerden können sowohl bei einer Schilddrüsenunterfunktion als auch in den Wechseljahren auftreten:
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Erschöpfung (die nicht auf Schlafmangel beruht)
- Reizbarkeit
- Gehirnnebel
- Nachlassende Libido
- Schlafstörungen
- Hitzewallungen
- Haarausfall, trockene Haut
- Hartnäckige Gewichtszunahme
- Häufiges Frieren, besonders kalte Hände und Füße
Wenn Du Dich in mehreren dieser Punkte wiederfindest, lohnt sich ein genauerer Blick – idealerweise gemeinsam mit ärztlicher Unterstützung und Blick auf Deine Schilddrüsenwerte.
Mögliche Ursachen einer Schilddrüsenunterfunktion
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann verschiedene Auslöser haben. Am häufigsten steckt in Deutschland eine Autoimmunerkrankung dahinter, meist Hashimoto-Thyreoiditis. Weitere Faktoren, die eine Rolle spielen können:
- Östrogenmangel bzw. schwankende Östrogenspiegel
- Stress
- Jodmangel
- Umweltgifte
Bei Frauen in den Wechseljahren kommt erschwerend hinzu, dass sich Hashimoto-Beschwerden und Wechseljahressymptome gegenseitig überlagern und verstärken können. Zusätzlich steigen die TSH-Werte im Alter grundsätzlich leicht an, was die Abgrenzung zwischen einer echten Funktionsstörung und altersbedingten Veränderungen zusätzlich erschwert.
Schilddrüsenwerte kontrollieren lassen
Der erste und wichtigste Schritt ist die medizinische Abklärung: Alle relevanten Schilddrüsenwerte sollten überprüft werden. Das gilt auch, wenn Du bereits eine Hormontherapie machst.
Laut EMAS können oral eingenommene Östrogene die Schilddrüsenwerte über eine Erhöhung des Transportproteins TBG beeinflussen. Transdermale Östrogene zeigen diesen Effekt nicht. Diese Wechselwirkung ist ein weiterer Grund, Schilddrüse und Wechseljahre nicht isoliert, sondern im Zusammenhang zu betrachten.
Was Du selbst für Deine Schilddrüse tun kannst
Neben der ärztlichen Abklärung gibt es einiges, das Du selbst in die Hand nehmen kannst:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit tierischen Produkten kann sinnvoll sein, da für die Umwandlung der Schilddrüsenhormone unter anderem Vitamin A benötigt wird. Bei vegetarischer Ernährung ggf. Vitamin A zusätzlich einnehmen.
- Nährstoffe: Jod und Selen sind für die Schilddrüsenfunktion wichtig. Bei einer bestehenden Unterfunktion ist bei zusätzlichem Jod jedoch Vorsicht geboten – hier hilft am ehesten Ausprobieren in kleinen Schritten, in Rücksprache mit ärztlicher Begleitung.
- Weglassen oder reduzieren: Manche Studien deuten darauf hin, dass große Mengen Fluor sowie Soja-Isoflavone (Phytoöstrogene) die Schilddrüsenfunktion hemmen könnten. Ein bewusster, aber nicht zwanghafter Umgang damit kann sich lohnen.
- Beobachten: Es kann helfen, herauszufinden, welche Nahrungsmittel bei Dir was bewirken – etwa, ob sich 30 bis 60 Minuten nach einer Mahlzeit kalte oder warme Hände zeigen.
- Tageslicht und Rhythmus: Regelmäßiges Tageslicht und ein stabiler Tagesrhythmus unterstützen den gesamten Hormonhaushalt, also auch die Schilddrüse.
- Bewegung in Maßen: Viele Frauen berichten, dass moderate Bewegung ihnen besser bekommt als intensives Ausdauertraining, wenn die Schilddrüse ohnehin belastet ist.
- Stress reduzieren: Dauerhafter Stress wirkt sich auf das gesamte Hormonsystem aus – auch auf die Schilddrüse.
- Yoga bzw. Hormonyoga
Zu Yoga bzw. Hormonyoga bei Schilddrüsenunterfunktion gibt es bereits einzelne Studien, die vor allem eine verbesserte Lebensqualität und weniger Beschwerden zeigen; ob sich dadurch auch die Schilddrüsenwerte selbst messbar verändern, ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig geklärt.
Ob am Ende die Wechseljahre, die Schilddrüse oder beides gemeinsam für Deine Beschwerden verantwortlich sind – eine gezielte Abklärung und ein ganzheitlicher Blick auf Ernährung, Lebensstil und Stresslevel helfen dabei, die Beschwerden in den Griff zu bekommen.