Nicht jede gesundheitliche Herausforderung bedeutet, dass Du vollständig auf Hormonyoga verzichten musst. Es gibt Situationen, in denen Hormonyoga mit ärztlicher Rücksprache, individuellen Anpassungen und fachkundiger Anleitung möglich ist.
In diesem Beitrag erfährst Du, bei welchen Bedingungen Hormonyoga relativ kontraindiziert ist – das bedeutet, Du darfst ggf.nach ärztlicher Abklärung oder mit Modifikationen praktizieren.
Wichtig: Dieser Artikel behandelt die relativen Kontraindikationen. Wenn Du wissen möchtest, wann Hormonyoga absolut nicht geeignet, lies den Begleitartikel „Absolute Kontraindikationen bei Hormonyoga“.
Was sind relative Kontraindikationen?
Bei relativen Kontraindikationen ist Hormonyoga nicht grundsätzlich ungeeignet, aber:
- Du brauchst ggf. ärztliche Erlaubnis und/oder
- Die Übungen müssen individuell angepasst werden
- Du solltest mit einer erfahrenen, zertifizierten Hormonyogalehrerin arbeiten
- Du musst besonders achtsam auf die Signale Deines Körpers hören
1. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
Bei einer Schilddrüsenüberfunktion produziert Deine Schilddrüse bereits zu viele Hormone. Da Hormonyoga auch die Schilddrüse stimuliert, ist hier besondere Vorsicht geboten.
Mit der richtigen Anpassung kann Hormonyoga trotzdem praktiziert werden: Übungen, die direkt die Schilddrüse stimulieren werden weggelassen oder modifiziert
Wichtig: Sprich mit Deinem behandelnden Arzt und teile Deiner Hormonyogalehrerin Deine Diagnose mit!
Hinweis: Bei Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) hingegen kann die klassische Hormonyoga-Praxis sehr hilfreich sein und die Schilddrüsenfunktion unterstützen!
2. Bluthochdruck (Hypertonie)
Bei starkem oder unkontrolliertem Bluthochdruck ist die klassische Hormonyoga-Form nicht geeignet – die intensive Bhastrika-Atmung kann den Blutdruck weiter erhöhen.
Mögliche Anpassungen:
- Sanftere Atemtechniken statt Bhastrika (z.B. Ujjayi-Atmung)
- Weglassen oder Modifikation von Umkehrhaltungen (Kopfstand, Schulterstand)
- Langsamer, behutsamer Aufbau der Praxis
- Regelmäßige Blutdruckkontrolle vor und nach der Praxis
Voraussetzung: Dein Bluthochdruck sollte medikamentös gut eingestellt sein, und Du brauchst die Zustimmung Deines Arztes.
3. Schwere Osteoporose
Bei sehr starker Osteoporose mit akutem Frakturrisiko ist Vorsicht geboten.
Mögliche Anpassungen:
- Keine extremen Beugungen oder Drehungen der Wirbelsäule
- Vermeidung von Umkehrhaltungen, die Druck auf die Wirbelsäule ausüben
- Sanftere, unterstützte Varianten der Asanas
- Fokus auf Muskelaufbau und Balance
Wichtig zu wissen: Bei Osteopenie oder leichter Osteoporose kann Hormonyoga durch die körperliche Aktivität und die Aktivierung des Hormonspiegels unterstützend wirken.
4. Nach Operationen im Bauchraum
Mindestens 3 Monate nach größeren Bauchoperationen solltest Du pausieren.
Nach der Heilungsphase:
- Sanfter, schrittweiser Wiedereinstieg mit ärztlicher Erlaubnis
- Anpassung der Praxis: Zunächst ohne intensive Bandhas (Bauchverschlüsse), keine starke Bhastrika-Atmung in den ersten Wochen
- Beobachtung der Narben und des Bauchgefühls
5. Akute Bandscheibenvorfälle
Bei akuten Bandscheibenvorfällen ist Hormonyoga zunächst kontraindiziert.
Nach der akuten Phase:
- Nur mit ärztlicher und physiotherapeutischer Begleitung
- Starke Modifikation der Übungen
- Vermeidung von Drehungen und extremen Beugungen
6. Unspezifische Bauchschmerzen oder Entzündungen
Bei akuten Entzündungen oder Schmerzen im Bauchbereich solltest Du nicht praktizieren, bis die Ursache geklärt und behandelt ist.
Nach erfolgreicher Behandlung kann Hormonyoga (ggf. mit Anpassungen) wieder aufgenommen werden.
7. Leichte Endometriose
Anders als bei fortgeschrittener Endometriose (absolute Kontraindikation) kann bei sehr leichter Endometriose Hormonyoga unter medizinischer Überwachung eventuell praktiziert werden.
Voraussetzungen:
- Ärztliche Erlaubnis und regelmäßige Kontrolle
- Keine Umkehrhaltungen
- Achtsame Beobachtung der Symptome
8. Während der Menstruation
Es wird davon abgeraten, während der Menstruation intensiv Hormonyoga zu praktizieren. Zumindest zu Beginn der Blutung bzw. wenn sie sehr stark ist.
Hintergrund: Der Körper ist in dieser Phase auf Loslassen und Ausscheidung ausgerichtet – die aktivierende, nach oben lenkende Praxis des Hormonyogas könnte dem natürlichen Energiefluss entgegenwirken.
Mein Tipp: Höre auf die Signale Deines Körper was gerade guttut. Ich praktiziere einfach etwas sanfter oder lasse manche Übungen weg und habe damit gute Erfahrungen gemacht.
So gehst Du sicher vor, ohne auf die wunderbare Wirkung von Hormonyoga verzichten zu müssen:
- Ärztliche Abklärung: Hole ggf. die Zustimmung Deines Arztes ein und bespreche mögliche Risiken
- Finde eine erfahrene Lehrerin: Sie sollte zertifiziert sein und Erfahrung mit Anpassungen haben
- Sei ehrlich: Teile Deiner Lehrerin alle gesundheitlichen Bedingungen mit
- Starte sanft: Beginne langsam und steigere Dich schrittweise
- Höre auf Deinen Körper: Bei Unwohlsein, Schmerzen oder Verschlechterung pausiere sofort
- Regelmäßige Kontrollen: Lass Deine Werte (z.B. Schilddrüse, Blutdruck) regelmäßig checken
Alternative Ansätze: Es gibt weitere Möglichkeiten Deinen Körper in den Wechseljahren auf natürlich Art zu Unterstützen. Ernährung, Bewegung, Schlaf und Entspannung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Fazit
Relative Kontraindikationen bedeuten nicht automatisch, dass Du auf Hormonyoga verzichten musst. Mit der richtigen Vorbereitung, ärztlicher Begleitung und individuellen Anpassungen kann Hormonyoga auch für Dich ein wertvoller Weg sein.
Der Schlüssel liegt in:
- Offener Kommunikation mit Arzt und Lehrerin
- Individuellen Anpassungen der Praxis
- Achtsamer Selbstbeobachtung
Wichtig: Manche gesundheitlichen Bedingungen sind absolute Kontraindikationen, bei denen Du vollständig auf Hormonyoga verzichten solltest (z.B. hormonabhängige Krebserkrankungen, Schwangerschaft, fortgeschrittene Endometriose). Lies dazu den Begleitartikel: „Absolute Kontraindikationen bei Hormonyoga – Wann Du auf keinen Fall praktizieren solltest“.
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Sprich bei Unsicherheiten immer mit Deinem Arzt oder Deiner Ärztin.